Elternsein ist eine emotionale Achterbahnfahrt – zwischen bedingungsloser Liebe und chronischer Erschöpfung gibt es eine weitere Konstante: Schuldgefühle. „Mom-Guilt“ und „Dad-Guilt“ sind Begriffe, die das Phänomen beschreiben, dass Eltern sich permanent fragen, ob sie genug für ihre Kinder tun. Social Media, Influencer und gesellschaftliche Erwartungen verstärken diesen Druck zusätzlich. Aber woher kommen diese Schuldgefühle? Und wie kann man lernen, damit umzugehen?
Ob Pinterest-taugliche Kinderzimmer, gesunde Bio-Snacks oder der harmonische Familienalltag in den Stories – auf Social Media wird Elternschaft oft als makelloses Lifestyle-Projekt inszeniert. Influencer:innen zeigen, wie sie Beruf, Familie und Selbstfürsorge scheinbar mühelos unter einen Hut bekommen. Doch diese perfekte Inszenierung verstärkt das Gefühl des eigenen Versagens.
Besonders Mütter stehen unter Druck: Sie sollen liebevoll und geduldig sein, gleichzeitig Karriere machen, sich fit halten und dabei noch eine perfekte Bindung zu ihren Kindern pflegen. Die Realität sieht anders aus – und das ist völlig normal. Doch der Vergleich mit der Social-Media-Welt sorgt dafür, dass viele Eltern sich ständig hinterfragen: Habe ich genug Zeit mit meinem Kind verbracht? War ich zu streng? Bin ich eine gute Mutter oder ein guter Vater?
Studien zeigen, dass insbesondere Frauen von „Mom-Guilt“ betroffen sind, da traditionelle Rollenbilder in der Gesellschaft nach wie vor stark verankert sind. Die Erwartung, dass Mütter sich aufopferungsvoll um ihre Kinder kümmern, kollidiert mit modernen Lebensmodellen, in denen Frauen auch beruflich erfolgreich sein möchten. Das schlechte Gewissen ist vorprogrammiert.
Lange war die Diskussion um elterliche Schuldgefühle vor allem auf Mütter fokussiert, doch auch Väter stehen zunehmend unter Druck. Die Rolle des „modernen Vaters“ hat sich gewandelt: Aktive Elternzeit, emotionale Präsenz und gleichberechtigte Care-Arbeit sind gesellschaftlich erwünscht – doch oft fehlt es an struktureller Unterstützung.
Während Frauen unter dem Druck leiden, in jeder Rolle perfekt sein zu müssen, kämpfen viele Männer mit dem Gefühl, nicht genug präsent zu sein. Besonders Väter, die in Vollzeit arbeiten, haben oft Schuldgefühle, weil sie das Gefühl haben, zu wenig Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Gleichzeitig wird von ihnen erwartet, sich aktiv in die Erziehung einzubringen. Diese Ambivalenz führt dazu, dass auch sie sich zwischen Job und Familie zerrissen fühlen.
Es gibt keinen perfekten Weg, Eltern zu sein – und das ist völlig in Ordnung. Statt sich an unrealistischen Vorbildern zu messen, hilft es, den eigenen Alltag pragmatisch zu gestalten.
Mom- und Dad-Guilt sind weit verbreitet – doch sie entstehen vor allem durch überhöhte Erwartungen und soziale Vergleiche. Social Media und Influencer tragen dazu bei, dass viele Eltern sich ständig unter Druck gesetzt fühlen. Doch Elternschaft ist kein Perfektionswettbewerb. Wer sich von Schuldgefühlen löst und realistische Maßstäbe an sich selbst setzt, kann den Familienalltag entspannter gestalten. Denn am Ende zählt nicht Perfektion, sondern eine liebevolle und authentische Bindung zu den Kindern.